Dynamischer Stromtarif und HEMS: so wird Strombezug wirklich smart
In einem klassischen Stromtarif kostet jede Kilowattstunde gleich viel – egal ob gerade viel Energie im Netz ist oder wenig. In der Realität schwankt das aber: Gibt es viel Wind- oder Solarstrom, sind die Marktpreise niedrig, in den typischen Abendstunden eher höher. Ein dynamischer Stromtarif bildet genau diese Schwankungen ab und macht sie sichtbar, Stunde für Stunde.
Damit diese Information nicht jeden Tag von Hand ausgewertet werden muss, übernimmt ein HEMS (Home Energy Management System) die Steuerung. Es holt sich automatisch die Preisdaten, kennt die Geräte im Haus und die hinterlegten Regeln und schiebt flexible Verbraucher in die günstigeren Zeitfenster. Für den Alltag bedeutet das: Alles funktioniert wie gewohnt, nur der Strom wird klüger eingekauft.
Was ein dynamischer Stromtarif ist
Bei einem normalen Tarif steht im Vertrag ein Arbeitspreis, der immer gilt. Bei einem dynamischen Tarif richtet sich der Preis nach dem Strommarkt. Der Anbieter stellt meist am Vortag alle Preise für den kommenden Tag bereit. So ist klar: morgen Mittag günstig, morgen Abend eher teuer.
Das ist fair, weil man von günstigen Zeiten profitieren kann. Es hilft aber nur, wenn auch wirklich jemand oder etwas den Verbrauch dahin verschiebt. Das macht das HEMS.
Was das HEMS genau übernimmt
Ein HEMS kennt drei Dinge gleichzeitig:
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die aktuellen und kommenden Strompreise,
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die Geräte, die verschoben werden können,
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die Grenzen, die man nicht unterschreiten will.
Typische Grenzen sind zum Beispiel: Warmwasser darf nicht kalt werden, das Auto muss morgens fertig geladen sein, nachts soll es leise sein, und Strom soll nicht über einem bestimmten Preis automatisch abgenommen werden.
Mit diesen Vorgaben plant das HEMS den Tag. Warmwasser wird zum Beispiel nicht um 19 Uhr neu erhitzt, wenn der Strom teuer ist, sondern um 13 Uhr. Das Auto lädt nicht direkt nach dem Anstecken, sondern in den günstigsten Nachtstunden. Die Spülmaschine läuft nicht mitten in der Abendspitze, sondern am frühen Nachmittag. All das passiert automatisch.
Warum man damit wirklich spart
Die Ersparnis kommt daher, dass teure Stunden seltener und günstige Stunden häufiger genutzt werden. Dadurch sinkt am Monatsende der durchschnittliche Preis pro Kilowattstunde.
Wer zusätzlich eine PV-Anlage hat, profitiert doppelt. Denn zuerst wird der eigene Solarstrom genutzt, und nur das, was noch fehlt, wird aus dem Netz geholt. Und genau dieser Restbezug kann dann dank dynamischem Tarif in günstige Stunden verschoben werden.
Welche Geräte sich am besten eignen
Nicht alles im Haushalt lässt sich verschieben. Licht, Kochen oder PC laufen, wenn sie gebraucht werden. Es gibt aber einige typische Verbraucher, die sehr gut mit einem HEMS zusammenarbeiten:
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Wärmepumpe und Warmwasser: Speicher sind perfekte Puffer, ob sie mittags oder abends erhitzt werden, merkt man nicht.
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Wallbox und E-Auto: Die wenigsten Autos müssen sofort laden, wichtiger ist, dass sie am Morgen einsatzbereit sind.
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Haushaltsgeräte wie Spül- und Waschmaschine: Müssen selten sofort laufen, können also auf günstige Zeiten gelegt werden.
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Batteriespeicher (falls vorhanden): Kann sehr günstigen Strom aufnehmen oder teure Abendstunden abfangen.
Je mehr von diesen verschiebbaren Verbrauchern es gibt, desto größer der Effekt.
Komfort bleibt erhalten
Ein häufiger Einwand ist: Was passiert, wenn der Strompreis hoch ist – stehe ich dann ohne warmes Wasser da? Genau aus diesem Grund lassen sich im HEMS feste Untergrenzen definieren. Warmwasser fällt nicht unter die gewünschte Temperatur. Das Auto ist zum eingestellten Zeitpunkt fertig. Und laute Geräte starten nicht mitten in der Nacht. Das HEMS optimiert nur innerhalb der erlaubten Bereiche.
So bleibt das System planbar, auch wenn die Strompreise stark schwanken.
So startet man
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Dynamischen Tarif beim passenden Anbieter wählen und sicherstellen, dass ein Zähler mit stündlicher Messung vorhanden ist.
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HEMS anbinden, damit es die Preisdaten erhält.
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Relevante Geräte verbinden: Wärmepumpe, Wallbox, PV, Speicher, ggf. einzelne Verbraucher über smarte Steckdosen.
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Drei bis vier klare Regeln anlegen, etwa: Warmwasser tagsüber, Auto nur nachts, keine Starts nach 21 Uhr.
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Nach ein bis zwei Wochen prüfen, wie sich der Verbrauch verschoben hat, und Zeitfenster oder Preisgrenzen feinjustieren.
Mehr braucht es am Anfang nicht.
Für wen sich das besonders lohnt
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Haushalte mit Wärmepumpe oder elektrischer Warmwasserbereitung
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Haushalte mit E-Auto
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Haushalte mit PV-Anlage
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Haushalte, die mit möglichen Strompreisspitzen in Zukunft gelassener umgehen wollen
Wer nur einen sehr kleinen, kaum verschiebbaren Verbrauch hat, wird weniger Unterschied sehen. Je elektrischer das Haus wird, desto sinnvoller wird die Kombination.
Blick nach vorn
Mit mehr Wind- und Solarstrom wird es in Zukunft eher mehr variable Preise geben. Wer heute schon mit dynamischem Tarif und HEMS arbeitet, nutzt diese Entwicklung für sich. Das Haus verhält sich netzdienlich und die Stromkosten bleiben besser kontrollierbar – ohne dass man jeden Tag selbst Hand anlegen muss